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Zerstörerische Karpfen, zu friedliebende Angler: Das Geheimnis der Schenkenländchen-Seen

0157/87036958 0157-87036958 015787036958
Halber Hecht e.V.
Tom Kirsten, Oliver Buchholz
Telefon:01 57/87 03 69 58
Website:www.halberhecht.de

Versunkene Welten

Stand: November 2020

Versunkene Welten im Schenkenländchen? Gar manche der so einladend in der Sonne glitzernden Seen verbergen weithin unerforschte Geheimnisse!

Diese fallen allerdings insbesondere dann „ins Auge“, wenn die Tage kürzer und die Badegäste weniger sind: „Im Sommer beträgt die Sicht unter Wasser oft nur wenige Zentimeter. Erst in der kalten Jahreszeit kann man einen Meter oder weiter sehen“, verblüffen Tom Kirsten und Oliver Buchholz.

Katastrophen ohne Erinnerung
Die beiden stehen dem Tauchclub „Halber Hecht e.V.“ vor, der sich den Vereinssitz am Heidesee von Halbe gleich hinterm Strandbad spielerisch in den Namen eingewoben hat. „In dem Gewässer ist eine frühere Industrieanlage begraben. Das Dahmeland war ja vor über 150 Jahren mit Tongruben und Ziegeleien übersät. Diese ermöglichten erst den Bauboom der Gründerzeit ab 1870 in Berlin“, erklären die passionierten Taucher. „Offenbar gab es einen plötz­lichen Wassereinbruch, der den Heidesee entstehen ließ. Diese Katastrophe soll 1912 gewesen sein und muss sich so schnell ereignet haben, dass die Förderanlagen nicht mehr geborgen werden konnten“, sind die beiden von dem Ereignis immer noch beeindruckt.

Schlummernde Geheimnisse
„Nicht mal die örtlichen Chronisten haben hier detaillierte Erkenntnisse“, sind sie sich bewusst, wie aufschlussreich ihre Tauchgänge eine Nase lang vom Vereinssitz entfernt sein können. „Ähnliche Geheimnisse bieten die weiteren Tonseen in der Region, so in Groß Köris. Da gibt es noch viel zu erforschen“, erklärt der auf Gebäudetauchen spezialisierte Vize-Vorsitzende Oliver Buchholz.
Mit dem vor acht Jahren gegründeten Tauchclub hat das Schenkenländchen den einzigen Verein dieser Art, obwohl sich hier See an See reiht.
Das Behelfsheim besteht aus großen Containern, die vom Flughafen Schönefeld stammen. Hier ist Oliver Buchholz „Facility-Manager“. Zu seiner aktuellen spannenden Auf­gabe gehört die technische Betreuung des brandneuen Radarturms des BER. Sein Vorsitzender hingegen steuert gern die eine oder andere Attrappe als zusätzliches Tauchziel bei.
Schließlich taucht er als Requisitenfahrer in den Filmstudios von Babelsberg beruflich in kunstvolle Fantasielandschaften ein, wie zuletzt für „Babylon Berlin“.

Interessenten willkommen
Der Tauchclub mit seinen 30 Mitgliedern, darunter etliche Frauen, ist für Interessenten immer offen.
„Wer möchte, kann bei uns seinen Tauchschein machen. Ausrüstung kann gestellt werden, so dass man erst mal ohne finanzielles Risiko in dieses spannende Hobby eintauchen kann“, lädt Tom Kirsten ein. Zudem lässt sich auf dem Gelände gut entspannen und im Sommer der Badesee genießen.
Bei den Tauchgängen gibt es neben untergegangenen Gebäuden oftmals gestrandete Boote aber ebenso manche Überbleibsel aus der Kesselschlacht von Halbe zu ent­decken. „Wir stießen sogar auf eine Panzerfaust. Da wurde dann der Munitionsbergungsdienst gerufen“, erklärt Oliver Buchholz.
Mit Blick auf den See sieht er sein Hobby allerdings immer mehr in Gefahr: „Der Wasserspiegel ist in den letzten Jahren erheblich gesunken. Ich vermute, dass es weit mehr als ein Meter ist. Wenn das so weitergeht, werden diese Seen austrocknen!“

Gefährliche Karpfen?
Der kleine aber feine Tauchclub ist übrigens weit übers Schenkenländchen hinaus bekannt.
Dazu trägt die Partnerschaft mit dem Naturschutzbund „NABU“ bei. „Wir sind der in der Region beauftragte Verein für die regelmäßige Gewässerkontrolle. Dabei gilt es, den Boden zu begutachten und Pflanzen zu sichern, die Aufschluss über Flora und Fauna geben. Generelles Problem ist, dass hier Mensch und Natur aufeinander treffen. Die Angler sorgen für einen zu großen Karpfenbesatz. Sie üben ihr Hobby als Sport aus, wetteifern also um den besten Fang. Doch der kommt nicht in die Pfanne, sondern wieder zurück in den See. Dadurch ist der Bestand viel zu hoch. Die Tiere gründeln, durchwühlen also den Boden, was das natürliche Pflanzenwachstum erheblich beeinträchtigt. Dadurch verringert sich die Vielfalt, die Gefahr des Umkippens im Sommer verstärkt sich“, fasst Buchholz zusammen.

Welsalarm im Heidesee?
Umso mehr freut er sich über Abwechslung unter Wasser: Zwar sind die „Hechte“ hier eher mit Taucherkleidung anzutreffen, dafür stoßen diese manchmal auf riesige Welse, die an nebelumwobenen Herbsttagen durchaus eine Loch-Ness-Atmosphäre aufkommen lassen könnten.
„Einige sind über zwei Meter lang. Ich weiß genau, wo die im See wohnen“, machen die Taucher neugierig. Kommt nach „Hai-Alarm am Müggelsee“ also bald „Welsalarm im Heidesee“ ins Kino? Schließlich arbeitet der Vereinschef in den Filmstudios!

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