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Die faszinierende Welt der Familie Schmidt: Attraktive Kunst für alle Generationen

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Künstlerfamilie
Renate Schmidt, Willi Schmidt
Telefon:03 37 66/6 26 59

Bunte Reflexionen

Stand: November 2020

Modell für Generationen, diese seltene Ehre schaffte eine Zahnarzthelferin und spätere Gesundheitsamtsmitarbeiterin.

Sie inspirierte erst den Ehemann als Aktmodell und wurde anschließend von der Tochter entdeckt! „Laura war erst acht Jahre, als sie dieses Bild von mir schuf“, ist Renate Schmidt völlig zu Recht sichtbar stolz. Mittlerweile ist Laura Hensel erwachsen und verheiratet. Allerdings ist sie nicht Malerin geworden. Aber als Erzieherin kann sie ja ebenfalls eine ganze Menge Kreativität an den Tag legen. „Ihre zwölfjährige Tochter Antonia Hensel malt und zeichnet sehr gerne, während ihr jüngerer Bruder Fritz Hensel lieber Fußball spielt“, erzählt Renate Schmidt weiter. Sie legte zusammen mit Ehemann Willi Schmidt im Sommer 1989 in Teupitz den Grundstein für eine jahrelang sehr gefragte Künstlerkolonie.
Denn mit dem Ehepaar Schmidt zog eine Keramikerin mit Familie in die Häuser im überaus reizvollen Areal gegenüber vom Schweriner See mit ein.

Beinahe wohnungslos
„Wir durften nicht in den Westen reisen, was uns egal war. Als aber im Osten ebenfalls dicht gemacht wurde und man nur noch auf komplizierten Wegen aus der DDR heraus kommen konnte, beschlossen wir, im Land einen Ort zum Wohlfühlen daheim zu suchen. Eigentlich sollte das an der Ostsee sein. Doch der Wohnungstausch nach Bergen auf Rügen platzte in letzter Minute. Wir hatten unsere großzügige frühere Wohnung aber bereits aufgegeben und wären also fast obdachlos geworden. Da gerieten wir durch Zufall an an unser jetziges Haus in Teupitz“, erzählen die beiden.
„Wir hatten gerade mit dem Renovieren begonnen, da fiel die Mauer!“

Bunte Karibik
Dennoch konnten sie dem Traum vom weiten Westen, der damals viele erfasste und nicht wenige bitter enttäuschte, widerstehen. „Wir genossen die Natur in der neuen Heimat. Wir hatten ein kleines Kajütboot, womit wir die Seen erkunden konnten, sind viel spazieren gegangen und oft mit dem Fahrrad gefahren.“
Daraus bezog Willi Schmidt viele Anregungen für seine oftmals abstrakten farbenfrohen Bilder. „Früher wurde ich oft kritisiert, zu düster zu malen. Ein Freund, der Französisch-Lehrer war, hatte uns auf die Karibikinsel Guadeloupe eingeladen. Unter diesem Eindruck wurden meine Bilder fröhlicher“, wundert sich der heute 66-Jährige selbst sichtbar über seine Wandlung.

Mit 13 erstes Gemälde
Er schuf mit 13 Jahren sein erstes Gemälde, das noch heute im Eingangsbereich des Wohnhauses die Besucher einstimmt. Ein Raum weiter findet sich seine einzige Bronzeplastik: „Das ist der Wächter, der bei Ausstellungen Diebe abschrecken soll“, schmunzelt Willi Schmidt. Der an sich große Raum beherbergt das Bild „Reflektionen“, das die Veränderung des Seewassers durch Wellen und Lichteinstrahlung zum Thema hat. Leider haben nur sechs der acht Tafeln an die eine Wand gepasst, so dass die weiteren zwei gegenüber verteilt werden mussten. Dennoch oder gerade deshalb strahlen sie eine Wirkung aus, die den Bildcharakter verstärkt. Vorher hat dies zeitweise die Geschicke von Zeuthen mitbestimmt: „Die Tafeln waren im Sitzungssaal im Rathaus angebracht, wo die Gemeindevertreter um Beschlüsse gerungen haben“, berichtet Willi Schmidt.

Vom Bauarbeiter zum Maler
Er war zur Kunst über den Umweg als „Baufacharbeiter mit Abitur“ gekommen.
Obwohl der Wittenberger danach brav den Wehrdienst abgeleistet hatte, war er nicht bereit, sich später an einem Panzerdenkmal zu beteiligen. „Ich wollte mich nicht verbiegen lassen. Das gilt immer noch. Ich mache keine Auftragsarbeiten und male nur das, was ich möchte!“ Willi Schmidt hatte entgegen elterlichem Rat von 1977 bis 1983 an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee studiert und sich gleich danach als freischaffender Künstler niedergelassen.
„Drei Jahre lang gab es eine Förderung. Danach konnte ich immer noch nicht von meinen Bildern leben. Also hielt ich meine Familie und mich mit Zusatzjobs wie Kraftfahrer bei der Post oder als Koch über Wasser.“

Heiße Liebe im Auto
Schließlich hatte er 1981 seine frühere Schulkameradin geheiratet. Damit können Renate Schmidt und er 2021 das bereits 40. Ehejubiläum feiern. Vorher hatte die lebenslustige Zahnarzthelferin schon mal zwei Jahre Zweisamkeit erprobt. Daraus ging ein mittlerweile 47-Jähriger Sohn hervor, der sich allerdings strikt einer festen Bindung verweigert.
Amors Liebespfeile trafen die beiden aber nicht auf der Schulbank, wo die überaus attraktive Renate eine Parallel­klasse besuchte.
Vielmehr war es das quirlige Ostberlin, das die heiße Liebe zum entflammen brachte: „Mein Bruder Peter Scholz war als Journalist immer auf der Suche nach etwas Besonderem. So nahm er mich oft zu einschlägigen Clubs in Berlin mit. Wir hatten immer das Problem, den letzten Zug nach Wittenberg zu erwischen. Als wir zufällig Willi Schmidt trafen und der uns anbot, wir könnten mit ihm im Auto zurückfahren, kamen wir schließlich zusammen“, erinnert sich die heutige Ehefrau.

Musik im Pinsel
Sie hatte nichts dagegen, dem angehenden Künstler freizügig Modell zu stehen. Leider waren diese Frühwerke nicht im Amt Schenkenländchen zu sehen, wo die Bürger in einer aktuellen Ausstellung den überaus zurückhaltenden Künstler kennenlernen konnten. Mittlerweile nämlich hat sich Willi Schmidt von der figürlichen Malerei abgewandt. Neben der Natur ist es vielfach Musik, die ihn bewegt. So haben ihn der russische Komponist Modest Mussorgskij ebenso wie der Norweger Edvard Grieg und dessen Hauptwerk „Peer Gynt“ in den Bann gezogen. Allerdings, die eigenen musikalischen Versuche scheiterten eher. So verpasste er den Einsatz, als er beim experimentellen „Gemüseorchester“ eingeladen war, an einer bestimmten Stelle dem Kochtopf seinen Deckel zu verpassen, trotz aller Gastronomie-Erfahrung.
Mal sehen, ob Tochter Laura Hensel das in ihrer Kita-Küche genauer hin­bekommt, das mit Mama als sexy Model ist ihr jedenfalls klasse gelungen!

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